


Die Telematikinfrastruktur ist die geschützte Netzinfrastruktur des deutschen Gesundheitswesens[1]. Für Kliniken, Gesundheitsämter und Pflegeeinrichtungen ist sie kein IT-Projekt unter vielen, sondern die Voraussetzung dafür, elektronische Patientenakte, elektronische Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung und sichere Kommunikation überhaupt nutzen zu können.
Beschafft wird das zunehmend als Dienstleistung statt als Hardwarekauf. Im Vergabe-Archiv zählen wir 53 Verfahren in den 24 Monaten bis September 2026, davon 31 eigenständige Vergaben. Ausgeschrieben haben unter anderem das Universitätsklinikum Jena (Telematikinfrastruktur als externe Servicedienstleistung, TI as a Service), das kbo-Isar-Amper-Klinikum München und die Techniker Krankenkasse (TI-Messenger).
Wir haben das Leistungsverzeichnis konsequent als Betriebsleistung beschrieben: Gefordert ist eine funktionierende Anbindung mit Verfügbarkeit und Service-Level, nicht die Lieferung einzelner Geräte.
Der erste Abschnitt legt fest, was beschafft wird: die Anbindung als Dienst, einschließlich der zentralen Komponenten im Rechenzentrum des Auftragnehmers, der Anbindung der Standorte und der Bereitstellung der erforderlichen Kartenterminals. Wir schreiben Mengengerüste je Standort, Mandant und Nutzergruppe aus, weil die Preisbildung in diesem Markt fast immer je Anschluss und je Postfach erfolgt.
Ausdrücklich beschrieben ist der Weg vom dezentralen Konnektor hin zu einer rechenzentrumsbasierten Bereitstellung, inklusive der Frage, wer Hardware im Haus betreibt und tauscht. Die Umstellung ist eine eigene Preisposition.
Der Fachanwendungsteil deckt die sichere Kommunikation über KIM mit Postfächern, Adressverzeichnis und Anbindung an das Mailsystem ab[2], dazu den TI-Messenger für die Kommunikation in Echtzeit und die Anbindung an die elektronische Patientenakte[3]. Für jede Anwendung fordern wir die Angabe, welche Version unterstützt wird und wie der Anbieter mit Versionswechseln der gematik umgeht.
Die Verbindung zum Primärsystem ist der entscheidende Punkt: Ein KIM-Postfach, das nicht im Krankenhausinformationssystem erscheint, wird nicht genutzt. Wir fordern deshalb die benannte Integration in das eingesetzte System, passend zu unserem Muster-LV zum Krankenhausinformationssystem.
In der Telematikinfrastruktur dürfen nur Komponenten und Dienste eingesetzt werden, die von der gematik zugelassen oder bestätigt sind[4]. Wir fordern die gematik-Zulassung der angebotenen Komponenten und Dienste als technische Muss-Anforderung mit Zulassungsnummer und Gültigkeitszeitraum, nicht als Zusicherung im Fließtext.
Das Karten- und Zertifikatsmanagement behandeln wir als eigene Leistungsgruppe: Beantragung und Freischaltung der Institutionskarten, Verwaltung der Heilberufsausweise, PIN-Prozesse, Ablaufüberwachung der Zertifikate und der rechtzeitige Tausch vor Ablauf. Genau hier entstehen die Ausfälle, weil ein abgelaufenes Zertifikat den gesamten Anschluss stilllegt.
Für den Betrieb definiert das Leistungsverzeichnis Verfügbarkeiten, Servicezeiten, Reaktions- und Wiederherstellungszeiten sowie einen Ansprechpartner, der die Störung übernimmt, statt zwischen Anbieter, Kartenherausgeber und Primärsystemhersteller zu verweisen. Wir fordern einen benannten Eskalationspfad mit Endverantwortung.
Für die Migration verlangen wir einen Plan mit Umstellungsfenstern außerhalb des Betriebs, ein Rückfallszenario je Standort und eine Aussage zu anstehenden technischen Umstellungen der gematik, damit turnusmäßige Wechsel von Verfahren und Zertifikaten nicht als kostenpflichtiges Projekt nachgeschoben werden.
Da der Auftragnehmer Zugriffswege zu Systemen mit Patientendaten betreibt, beschreiben wir die Protokollierung administrativer Zugriffe, die Trennung der Mandanten und die Meldewege bei Sicherheitsvorfällen. Die Auftragsverarbeitung regelt Ihre Vergabestelle in den Vertragsunterlagen. Für Häuser, die als kritische Anlage gelten, verweisen wir auf unser Muster-LV zum System zur Angriffserkennung.
Das Preisblatt trennt einmalige Einrichtung, laufende Kosten je Standort und je Postfach, Kartenterminals, optionale Anwendungen und die Preise für Umzug, Erweiterung und Rückbau. Laufzeit, Verlängerung und Kündigung legt Ihre Vergabestelle in den Vertragsbedingungen fest.
Quellen
| Format | Microsoft Excel (.xlsx) + PDF |
| Umfang | mehr als 45 Leistungspositionen |
| Sprache | Deutsch |
| Einsatz | technische Vorlage für Ihre Leistungsbeschreibung; die vergaberechtliche Einbindung liegt bei Ihrer Vergabestelle |
| Technische Bezüge | gematik-Zulassung der Komponenten |
| Stand | 2026 (regelmäßige Revision) |
| Lieferung | Lieferung in 5 Werktagen |
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